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Präventions-Projekt

"SunPass - Gesunder Sonnenspaß für Kinder"

"Ein bisschen Sonnenbrand gehört zum Sommer. Im Schatten brauche
ich keine Sonnencreme. Mit Lichtschutzfaktor 30 bin ich den ganzen
Tag geschützt…" so denken immer noch viele Menschen und nehmen
den Sonnenschutz auf die leichte Schulter. Bis eben diese anfängt zu
brennen und aus einer leichten Rötung plötzlich ein ausgewachsener
Sonnenbrand wird. Warum aber Sonnenbrand vor allem für Kinder so
gefährlich ist und wie Sie Ihre Kinder und sich selbst angemessen vor
intensiver Sonnenstrahlung schützen können, erfahren Sie in unserem
Interview mit Professor Eggert Stockfleth.

Professor Stockfleth ist Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und
Allergologie am St. Josef-Hospital in der Universitätsstadt-Hautklinik Bochum
und Leiter der Europäischen Hautkrebsstiftung (ESCF). Diese hat im Jahr
2009 das Kindergarten-Projekt "SunPass – Gesunder Sonnenspaß für Kinder" ins Leben gerufen, das wir seit 2013 auch in bayerischen Kindergärten durchführen.

BKG: Herr Professor Stockfleth, worum geht es im "SunPass"-Projekt und welche Ziele verfolgt die Europäische Hautkrebsstiftung damit?

Prof. Stockfleth: Die Europäische Hautkrebsstiftung hat die Präventionsaktion "SunPass" ins Leben gerufen, um den Sonnenschutz für Kinder zu verbessern und Eltern und Erzieher in Kindergärten im richtigen Umgang mit der Sonne zu schulen. Gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und ihren Landesverbänden führen wir deshalb seit 2012 deutschlandweit das Projekt "SunPass – Gesunder Sonnenspaß für Kinder" durch, um die UV-Belastung für Kinder im Kindergarten zu reduzieren, das Bewusstsein von Erziehern und Eltern zu stärken und langfristig die Zahl der Hautkrebs-Neuerkrankungen zu senken.

Im Projekt schulen wir Eltern und Erzieher bei speziellen Informationsabenden im richtigen Umgang mit der Sonne" und zeichnen die beteiligten Kindergärten mit dem "SunPass" aus, wenn sie langfristig wichtige Sonnenschutz-Maßnahmen umsetzen. So bieten die Spielplätze der "SunPass"-Kindergärten durch Schattenplätze und Sonnensegel ausreichend Schutz vor zu viel Sonne. Geschulte Erzieher achten auf konsequenten Sonnenschutz durch Sonnencremes, Kopfbedeckung und entsprechende Kleidung. Die Kinder lernen mit einer Bildergeschichte zum Ausmalen spielerisch den Umgang mit der Sonne. Die Kindergärten werden regelmäßig überprüft, um die Qualität langfristig zu sichern.

BKG: Warum ist konsequenter Sonnenschutz vor allem für Kinder so wichtig?

Prof. Stockfleth: Da die Hautentwicklung noch nicht abgeschlossen ist, reagieren kindliche Hautzellen besonders empfindlich auf die Sonne. Zu viel Sonne im Kindesalter gilt daher als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von schwarzem Hautkrebs. So kann ein Sonnenbrand in der Kindheit sich erst nach zwei oder drei Jahrzehnten zu Hautkrebs entwickeln.

Leider unterschätzen immer noch zu viele Eltern die Gefahr durch intensive Sonnenstrahlung. Sie lassen ihre Kinder ohne ausreichenden Sonnenschutz ins Freie. Unsere Umfrage bei rund 3.400 Familien ergab, dass jedes fünfte Kind im Kindergartenalter schon mal einen Sonnenbrand hatte. Und nur 14 Prozent der Eltern gaben an, ihren Kindern Mützen zum Spielen im Freien mitzugeben. Gerade dieser sorglose Umgang führt jedes Jahr zu einem Anstieg der Hautkrebserkrankungen von 5-7 Prozent in Europa.

BKG: Was passiert eigentlich bei einem Sonnenbrand?

Prof. Stockfleth: Wird die Haut rot, erwärmt sich und spannt, ist es eigentlich schon zu spät, denn der Sonnenbrand ist bereits eingetreten. Dabei handelt es sich um eine Verbrennung der Haut ersten oder zweiten Grades, verursacht durch die UVB-Strahlung der Sonne.

Bei einem Sonnenbrand wird die obere Hautschicht, die Epidermis geschädigt. In der Unterhaut erweitern sich Gefäße und in der Folge kommt es zu einer erhöhten Durchblutung, Erwärmung und Rotfärbung der Haut und je nach Schwere der Verbrennung zu einem Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe. Blasen können entstehen.

Zwar heilen die oberflächlichen Symptome nach einigen Tagen ab, aber die Haut vergisst nichts. Jeder Mensch hat ein individuelles "Sonnenkonto", das sich schon in der frühen Kindheit zu füllen beginnt und nicht mehr zu löschen ist. Ultraviolette Strahlen schädigen die DNA und führen zu genetischen Veränderungen in den Hautzellen und zwar schon lange bevor ein Sonnenbrand entsteht. Ist der Köper nicht in der Lage, alle Schäden im Erbgut zu reparieren, kann es im Laufe der Jahre zur Entartung der Zellen kommen und ein Tumor entsteht.

BKG: Wie können Eltern und Erzieher Kinder richtig vor der Sonne schützen?

Prof. Stockfleth: Die Regeln sind einfach: Eltern sollten ihre Kinder schon morgens, bevor sie aus dem Haus gehen, mit Sonnenschutzcreme (ab Lichtschutzfaktor 30) eincremen. Die Kinder tragen im Freien Kopfbedeckung und angemessene Bekleidung, z. B. langärmlige Shirts. Babys und Kleinkinder bis zwei Jahre gehören nicht in die Sonne. Für alle anderen gilt: Halten Sie sich in der Zeit von 11-15 Uhr möglichst im Haus oder eingecremt im Schatten auf, denn auch dort wird man langsam, aber sicherer braun.

BKG: Eigentlich weiß jeder, dass Sonnenschutz wichtig ist. Was machen dennoch viele falsch im Umgang mit der Sonne?

Prof. Stockfleth: Eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF) verleitet manchmal dazu, länger in der Sonne zu bleiben, als für die Haut gut ist. Viele glauben, sie müssten nur regelmäßig nachcremen und könnten dann den ganzen Tag in der Sonne bleiben. Das ist falsch, denn die Sonnenschutzzeit verlängert sich durchs Nachcremen nicht. Zur Orientierung beim Lichtschutzfaktor gilt: Menschen mit einem hellen Hauttyp (Typ 1) haben eine Eigenschutzzeit von etwa 10 Minuten. Benutzen sie Sonnencreme mit LSF 10 verlängert sich ihre Verweildauer in der Sonne auf maximal 100 Minuten.

Häufig wird schon zu wenig Sonnencreme verwendet. Ein Erwachsener braucht etwa 30 ml Sonnenschutzmittel pro Einreibung. Geht man Baden oder schwitzt, muss nachgecremt werden. Und nicht vergessen! Auch im Schatten oder bei bewölktem Himmel kann man sich einen Sonnenbrand holen, denn etwa 50 Prozent der UV-Strahlung kommen durch.

Sonnenbrand entsteht oft auf den sogenannten "Sonnenterrassen" des Körpers. Das sind bestimmte Hautpartien, die besonders stark der Strahlung ausgesetzt sind, aber leider oft beim Eincremen vergessen werden wie z. B. Nase, Ohren , Schultern, Nacken oder die Waden. Zum angemessenen Sonnenschutz gehört auch eine Sonnenbrille für die Augen und Kopfbedeckung wie Schirmmützen oder Sonnenhüte.

 

 

Prof. Dr. med. Eggert Stockfleth, Quelle: Prof. Stockfleth

Foto: Prof. Dr. med. Eggert Stockfleth, Leiter der Europäischen Hautkrebs-stiftung (ESCF) und Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am St. Josef-Hospital im Katholischen Klinikum Bochum


Kontakt:
Prof. Dr. Eggert Stockfleth
Direktor der Klinik für Derma-tologie, Venerologie und Allergologie St. Josef-Hospital im Katholischen Klinikum Bochum
Gudrunstraße 56
44791 Bochum
e.stockfleth@klinikum-bochum.de



Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie unter:


www.bayerische-krebsgesellschaft.de

und

www.escf-network.eu

 

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